Keramik
Keramik
Die Töpferkunst hat eine uralte Tradition auf Rhodos, besonders in der Gegend um das Dorf Archangelos. In Petrona, bis hinunter ans Meer in die Bucht von Stegna, ist die Gegend übersät mit Ruinen von alten Öfen und Schornsteinen, die die Blüte dieses Handwerks in dieser Gegend bezeugen.
Heute gibt es hier nur noch zwei Töpferwerkstätten. Eine ist in Petrona. Der Besitzer ist Panajiotis Papura. Die zweite befindet sich in Stegna, nah am Meer gelegen und gehört Nikolas Saxallari. Diese beiden Künstler sind die letzten echten volkstümlichen Töpfer, die noch die alten traditionellen Formen der Gebrauchskeramik herstellen.

Für die Zubereitung des Tons benutzt man hier in Rhodos drei Arten Sand, aus drei verschiedenen Gegenden. Die erste hat eine zartgelbe Farbe und wird aus Archipolis geholt, die zweite ist von dunkelgrauer Farbe, man findet sie in Petrona, die dritte – tiefrot - stammt aus der Gegend von Agios Theodoros. Die Brennöfen, die man benutzt, sind heute rechteckig, die älteren waren rund. Sie sind aus Stein und zum Teil auch aus kompakten gebrannten Ziegeln gebaut. Um die für das Keramikbrennen notwendige hohe Temperatur zu erreichen, benötigte man 1000 bis 1200 (!) Kilo Holz.
Die Keramik stellte einen unentbehrlichen Teil im Leben der Menschen dar. Schon in der Antike hatte sie ihren eigenen Mythos - gefertigt aus Feuer, Wasser, Erde und dem Schweiß der Töpfer und Brenner. Viele Bräuche rankten sich um die Wichtigkeit der Keramik, drückten die Verbundenheit der Menschen mit ihr aus, ein Begleiter vom Anfang bis zum Ende des Lebens.
So mussten Mütter zur Taufe in die Kirche zwei Tontöpfchen mitbringen: in dem einen wusch der Pope seine Hände, in das zweite wurde das Taufwasser für das Kind gefüllt. Mit den gefüllten Gefäßen gingen sie dann zum Friedhof des Dorfes und schüttete das Wasser aus, danach durften diese nicht mehr benutzt werden.
Auch bei Hochzeiten hatte die Keramik ihren Platz. Als Aussteuer nahm die Braut das “Hochzeitstopfset” in ihre neue Wohnung mit, das aus 19 Stücken bestand. Nach rhodischer Tradition wurde es immer an die erstgeborene Tochter weitervererbt. Die einzelnen Stücke waren mit großer Sorgfalt und leuchtenden Farben wie rot, gelb, grün und blau, bemalt, die Motive entnahm man der Pflanzenwelt. Zum Bemalen benutzte man die Feder vom rechten Flügel eines jungen Huhnes.
Auch am Grabstein spielt der Ton eine Rolle. Bis in die Neuzeit wurden die Gräber mit Tonplatten versiegelt, in tönernen Öllämpchen brannte das “Ewige Licht” zur Erinnerung an die Verstorbenen.
Das Töpfern ist auf Rhodos eine uralte Kunst mit jahrtausendealter Tradition, sie wurde von vielen Generationen von Handwerkern weitergegeben und gepflegt. Leider beginnt diese Kunst langsam, zusammen mit ihren Menschen, zu verschwinden.

Text und Bild mit freundlicher Genehmigung aus der Zeitung "Rhodos Urlauber"

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