Die Treppe führt zu einer sieben Meter tiefen dorischen Säulenhalle von fast 23 m Breite, die durch elf Joche unterteilt ist. Die viersäulige dorische Front steht um zwei Joche vor der dorischen Säulenhalle.
Die im Nordwesten liegenden Räume hinter der Säulenhalle dienten entweder als Wohnung für das Kultpersonal oder als Raum für Weihegeschenke und lösten somit die üblichen archaischen Schatzhäuser ab. Nach dem Verlassen der
Propyläen in Richtung Südwesten gelangt man in einen Vorhof, an dessen südöstlicher Ecke der Athena-Lindia-Tempel liegt. Der Tempel wurde direkt über der Stelle einer alten Kultgrotte, 115 m über dem Meer, nach dem Brand von 392 v.Chr. als dorischer Tempel mit archaischem Grundriss, wieder aufgebaut.
Der ältere Tempel, aus der Zeit vor dem Brand, entspricht dem Grundrisstyp des neuen Tempels und wurde von
Kleobulos, einem der sieben Weisen der Antike, in der Mitte des 6. Jahrhunderts aus Holz errichtet. Auf dem Fries des Tempels aus der Zeit des Kleobulos stand in goldenen Buchstaben die 7. olympische Hymne für einen der berühmten Olympioniken der Antike,
Diagoras aus Ialyssos. Er ging sowohl bei den pythischen und isthmischen Wettkämpfen als auch bei den Spielen im Olympia im Jahre 464 v.Chr. als Sieger hervor. Der antike griechische Dichter
Pindar verherrlicht in dieser Hymne den jungen Helden und erwähnt auch Einzelheiten des lindischen Heiligtums, wie z.B. den heiligen Hain, der sich ehemals westlich des Tempels befand. Der heilige Hain des Athena-Lindia-Heiligtums scheint überhaupt ein großes Anliegen der damaligen Zeit gewesen zu sein.
Direkt vor dem Tempel im Westen mögen wohl ehemals die berühmten Statuen der rhodischen Bildhauerschule gestanden haben, wie u.a. die bekannte
Laokoon-Gruppe, die heute im Vatikan-Museum zu sehen ist. Dieses Werk gilt als eines der wichtigsten Zeugnisse rhodischer Plastik der hellenistischen Epoche.