Blick vom Monte Smith auf die Nordspitze der Insel
Monte Smith

“Die Akropolis war voller Terrassen und Haine; kein Stadtteil überragte die übrigen, sondern sie waren alle gleichmäßig und gerade, als wenn es die Teile eines Hauses, nicht die einer Stadt wären. Die Straßen waren von ihrem Anfang bis zu ihrem Ende ganz gerade und breit, und die schöne Stadt dehnte sich nach allen Seiten in herrlicher Weise aus.”
So voller Begeisterung berichtet ein zeitgenössischer Reisender von seinem Besuch in der antiken Stadt Rhodos. Sie war erst durch den politischen Zusammenschluss der drei früheren Stadtstaaten der Insel, von Lindos an der Ostküste und von Ialyssos und Kamiros an der Westküste, im Jahr 408 v.Chr. gegründet worden - und von Anfang an auch genauestens geplant.
Hier, an der Nordspitze der Insel, gerade 22 km von der kleinasiatischen Küste entfernt, führte eine der wichtigsten Seestraßen der Antike vom Schwarzen Meer am Libanon vorbei und um die vier natürlichen Häfen entstand eine der schönsten und reichsten Städte des Mittelmeeres. Ein rechtwinkliges Netz aus Straßen wurde angelegt, exakt von Norden nach Süden und von Osten nach Westen ausgerichtet, manche davon bis zu 16 m breit, und jedes der so entstandenen Quadrate hatte von Anfang an einen festgelegten Zweck, als Wohngebiete oder öffentliche Gebäude und Plätze. An der höchsten Stelle der Stadt, wie eine Krone auf dem rund 110m hohen Hügel im Westen, wurde die Akropolis errichtet.
Dieser Hügel trägt heute den Namen Monte Smith, nach einem englischen Admiral Smith. Der Ausblick über das Meer nach Westen auf die kleinasiatische Küste ist wie damals atemberaubend, von hier können Sie den schönsten Sonnenuntergang der Insel genießen.
Im Nordosten hebt sich die imposante Silhouette des Großmeisterpalastes mit der umliegenden Altstadt deutlich von den verschachtelten Gebäuden der modernen Stadt ab: diese ist in den letzten Jahrzehnten rasant gewachsen; dort, wo heute die Wohnviertel im Süden zu sehen sind, gab es noch in den 70ern hauptsächlich Felder und Olivenhaine.
Im Gegensatz dazu scheint die Zeit in den Ruinen des Heiligen Bezirkes etwas stehen geblieben zu sein…
Die Akropolis war das geistige und kulturelle Zentrum der Stadt. Die Rhodier nutzten die Gelegenheit des völligen Neuanfangs und sparten nicht am zur Verfügung stehenden Raum, Tempel, Haine, das Stadion, das Theater, alles war großzügig geplant und angelegt, eingebettet in ein weitläufiges Gesamtkonzept. Natürlich stand hier der Tempel zu Ehren des Lichtgottes Apollo, das zentrale religiöse Bauwerk der Insel, doch auch Tempel der “Stadtbeschützer” Athene und Zeus oder der Schwester des Sonnengottes, Artemis, sowie viele kleinere Hei-ligtümer wurden angelegt und in die Landschaft integriert.
Direkt unter dem künstlichen Plateau mit den heiligen Gebäuden bauten sie das Stadion, einer der wesentlichen Mittelpunkte ihres Lebens, ihren Tempel des Körpers. Nahe davon stand das Gymnasium, die “Übungshalle” der Athleten und sicherlich auch die Palaistra, das Haus der Ringkämpfer.
Irgendwo an den Hängen des Monte Smith müssen sie auch das kulturelle Zentrum ihrer schönen neuen Stadt geplant haben, das große Theater. Drei Säulen des Apollotempels und ein Stück vom Giebelfries können wir heute noch sehen, allerdings von italienischen Archäologen in den 20er Jahren so zusammengesetzt. Doch sie geben uns auf jeden Fall einen Eindruck von der Atmosphäre des Ortes - damals und heute.
An den Grundmauern des Tempels vorbei können wir uns auf die tieferliegende Ebene begeben und dort erwartet uns vielleicht der schönste Eindruck des alten Rhodos, das fast vollständig erhaltene Stadion. Als die italienischen Archäologen mit ihren Ausgrabungen begannen, lag es unter 40 Meter Erde begraben. Heute, nach einigen Ausbesserungen, ist es ein Platz, der zum Bleiben einlädt.
Einige Nachkommen der antiken Griechen joggen vielleicht gerade ein paar Runden und wenn Sie den Sonnenuntergang von der Klippe weiter oben gesehen haben, so genießen Sie hier die Dämmerung: die Sitzreihen sind von einem kleinen Pinienwald umgeben wie ein Hain der Antike und nach Einbruch der Dunkelheit tauchen die modernen Beleuchtungskörper die ganze Anlage in ein warmes, angenehmes Licht.
Das antike Theater haben wir übrigens bis heute nicht genau finden können, die kleine Marmorbühne mit den schneeweißen, restaurierten Sitzreihen neben dem Stadion ist ein sogenanntes Odeon aus römischer Zeit. Stellen Sie sich doch einfach auf den Metallknopf in der Mitte der kleinen Bühne und sprechen Sie laut ein paar Sätze: Sie werden staunen über das Echo in Ihren Ohren.
Ihre Blütezeit erlebte die Stadt im 3. und 2. Jhdt. v.Chr., als rhodische Schiffe und Händler in allen Häfen des Mittelmeeres anzutreffen waren. Sie wurde der bedeutendste Freihafen in diesem Gebiet. Schiffe aus allen Ländern konnten hier einlaufen und gegen Entgelt sogar ihre Waren auf unbestimmte Zeit einlagern.
Künstler aus der ganzen antiken Welt fanden sich ein, um die Stadt zu schmücken, und noch Jahrhunderte später waren ihre Rednerschulen berühmt.
Doch in den politischen Wirren um den Aufstieg Roms zog Rhodos bald den kürzeren, in den Bürgerkriegen nach der Ermordung Cäsars wird die Stadt sogar geplündert. Von der Zeit um Christi Geburt an wird es ruhig um die Insel, sie ist nur noch ein abgelegener Teil des riesigen Imperiums und danach des byzantinischen Reiches.
Erst 1300 Jahre später bricht eine neue Blütezeit an, mit dem Kommen der Johanniter-Ritter…
Das ganze Gebiet um den Monte Smith bleibt archäologisches Sperrgebiet, es werden auch heute noch Ausgrabungen durchgeführt. Wenn Sie die Serpentinenstraße entlanggehen, die direkt zum nördlichen Teil der Stadt rund um den Hafen führt, können Sie links und rechts die Überreste von manchmal sehr großen Grotten und Höhlen sehen: das waren Nympheen, Heiligtümer, in denen die Römer die Nymphen, weibliche Wasserwesen, verehrten. Künstliche Seen, mit Efeu und Seerosen bewachsen und unzählige Nischen mit Statuen und Fresken sorgten für eine magische Atmosphäre.
Leider können wir aus Sicherheitsgründen viele dieser antiken Heiligtümer heute nicht mehr betreten.
Bevor Sie aber das Gebiet der alten Akropolis verlassen, drehen Sie sich noch einmal um und genießen Sie den Ausblick über das Meer - Sie werden dieses Bild sicher nie vergessen. Schauen Sie noch einmal auf die Häuser der neuen Stadt rings um die alten Tempel und stellen Sie sich vor, dass die antike Stadt sogar noch größer war: Rhodos hatte im 2. Jhdt. v. Chr. über 100.000 Einwohner, heute sind es knapp die Hälfte.

Text und Bild mit freundlicher Genehmigung aus der Zeitung "Rhodos Urlauber"

interner Link Flüge & Hotels hier buchen  |  interner Link Startseite  |  interner Link  KONTAKT  |  interner Link IMPRESSUM  |  externer Link beste Darstellung mit FIREFOX .-)  |  update: 08.06.2008