Altstadt - Weltkulturerbe
Die Altstadt von Rhodos wurde im Dezember 1988 zum Weltkulturerbe erklärt. Das dafür zuständige Komitee existiert seit 1972 und ist eine Unterabteilung der UNESCO, der Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur der Vereinten Nationen.
Die Mitgliedsstaaten, praktisch alle UNO-Mitglieder, verpflichten sich zum Schutz und zur Erhaltung aller zum Weltkulturerbe erklärten Kunst- oder Baudenkmale, sowie zu gegenseitiger wirtschaftlicher, wissenschaftlicher, politischer oder sonstiger Unterstützung bei diesem Vorhaben.


Dabei wird die Aufnahme in die Liste dieser Denkmale jeweils von einer internationalen Expertenkommission geprüft und zumindest eines von insgesamt sechs Kriterien muss erfüllt sein. Im Fall der Altstadt befand die Kommission, dass Kriterium II, IV und V zutreffen. Demnach ist sie “ein Monument, dass während einer bestimmten Zeitspanne oder innerhalb eines Kulturraumes der Welt einen großen Einfluss auf Entwicklungen in der Architektur, der Baukunst oder der Stadtplanung und Landschaftsgestaltung ausgeübt hat”, “ein herausragendes Beispiel einer Art von Gebäude oder architektonischer Anlage, die eine bedeutende Epoche der Geschichte erhellt” und, in gewissem Sinne leider, “ein herausragendes Beispiel einer traditionellen menschlichen Ansiedlung, die für eine Kultur bezeichnend und unter dem Einfluss unwiderruflicher Veränderung verwundbar geworden ist”.
Tatsächlich galt Rhodos, deren Mauern wiederholt Angriffen von Türken und Mamelucken widerstanden und an denen praktisch während der gesamten 200jährigen Epoche der Johanniter gebaut wurde, am Anfang des 16. Jhdts. als eine der besten - und größten - Festungsanlagen der damals bekannten Welt. Sie war ein Musterbeispiel für die sich zu jener Zeit durch die Verbreitung des Schießpulvers und die demzufolge rasanten Entwicklungen der Artillerie und Minentechnik ständig verändernden Verteidigungsarchitektur Europas und des Vorderen Orients. Hier finden wir auch einzigartige Zeugnisse eines spätgotischen Baustils, in dem sich hier und da bereits Stilornamente der italienischen Renaissance erkennen lassen. Doch vor allem erhellt Rhodos die Zeit unmittelbar nach den Kreuzzügen, diese bemerkenswerte Epoche, in der das christliche Abendland mit dem ihm eigenen Ehren- und Wertekodex des Rittertums nach dem Orient griff und die auch heute noch viele romantische Vorstellungen wachruft.
Die Jahrhunderte und an manchen Stellen auch die moderne Zivilisation haben leider auch ihren Tribut von Rhodos gefordert. Glücklicherweise entwickelte sich aber in der Altstadt, nicht zuletzt durch ihren Status als Weltkulturerbe und gestützt mit Mitteln der EU und des griechischen Staates, in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Bau- und Restaurationstätigkeit: An sehr vielen Stellen werden Ausgrabungen durchgeführt und mittelalterliche Gebäude, vor allem byzantinische Klöster und Kirchen, von denen es fast 60 gibt, sorgfältig wieder instandgesetzt.
Gleichzeitig versucht die zuständige Behörde, das Amt für byzantinische und mittelalterliche Altertümer, das seinen Sitz in der Ritterstraße hat, den oft schwierigen Mittelweg zwischen dem Schutz des Stadtbildes und den notwendigen Anforderungen einer modernen Tourismuswirtschaft einzuhalten.

Text und Bild mit freundlicher Genehmigung aus der Zeitung "RhodosUrlauber"

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